Ursprung:
Das Tarot ist ein Kartenspiel bestehend aus 78 bebilderten Karten. Über den Ursprung der Karten gibt es keine Gewißheit, es ist jedoch davon auszugehen, dass sich das Spiel mit dem Auftauchen der Zigeuner in ganz Europa verbreitete. Ob es aber wirklich von ihnen mitgebracht wurde ist umstritten und ob es aus Indien, Ägypten oder einem anderen Land stammt ist nicht zu belegen.
Das angeblich älteste vollständige Tarot-Deck soll das Marseiller-Tarot sein. Angeblich geht es auf das Jahr 1760 zurück, doch seine heutige Form erhielt es erst 1930.
Das weitverbreitetste Deck ist das Rider-Tarot das 1910 von Arthur Edward Waite herausgegeben wurde. Es wurde von der Graphikerin Pamela Smith gezeichnet und gründet sich auf die Werke von Eliphas Levi, einem der berühmtesten und gelehrtesten Okkultisten Frankreichs (s. auch unter „Persönlichkeiten“ auf unserer Seite). Waite soll einer der besten Kenner des Rosenkreuzer-Wesens gewesen sein, dies und der viktorianische Zeitgeist sollen die Karten geprägt haben. Er nannte sein Tarot das „berichtigte Tarot“ und sein Spiel hat den Vorteil das auch alle „Nicht-Trümpfe“ mit Bildern ausgestattet sind. Allerdings ergeben sich aus seinen Berichtigungen natürlich Unterschiede zum alten Marseiller-Tarot, er bleibt jedoch näher bei der Vorlage als zum Beispiel Aleister Crowley der sein Tarot in den vierziger Jahren herausgab und es seinen Vorstellungen anpaßte.

Die Arcana:
Die 78 illustrierten Karten sind in zwei Gruppen unterteilt – die großen und die kleinen Arcana.
Die kleinen Arcana spiegeln die Mysterien im Äußeren, sie zeigen unsere berufliche und soziale Situation in der Gesellschaft und bieten Wahlmöglichkeiten an. Man unterscheidet 16 Hof- und 40 Zahlenkarten die in vier Sätze unterteilt sind, ganz so wie bei einem einfachen Kartenspiel. Bei den Sätzen handelt es sich um Schwerter, Stäbe, Kelche und Pentakel/Pentagramme bzw. Scheiben, sie stehen zugleich für die vier Elemente Luft, Feuer, Wasser und Erde. Finden sich Karten der kleinen Arcana in einer Deutung wieder, so können sie auf Menschen, Ereignisse und zu Lernendes hindeuten, oder auf Aspekte der Elemente die mit dem Fragenden korrespondieren.
Die großen Arcana spiegeln die Mysterien im Innern, sie werden manchmal auch als die Reise des Narren bezeichnet und zeigen in anschaulicher Bildersprache die Entwicklung und Erfahrungen der Seele währendes des Lebens auf. Außerdem repräsentieren sie vorbestimmte Energien. Sie bestehen aus 22 Karten die von 0 (der Narr bis XXI. (die Welt) durchnumeriert sind.

Bedeutung der Karten:

Die vier Sätze der kleinen Arcana:
Schwerter: Kampf, Herausforderungen, Denken und Intellekt
Stäbe: Arbeit, Wachstum, Energie, Intuition
Kelche: Vergnügen, Gefühle, Emotionen
Scheiben: Geld, materielle Existenz, irdische Belange, Empfindungen, Sinne

Zahlenkarten:
Eins (As): Anfang, Beginn von etwas, Potential und Möglichkeiten, aber auch Vollendung, Ganzheit, Gesamtheit, Erfüllung, Höhepunkt, Einsamkeit, Stillstand
Zwei: Bewegung, Entwicklung, Veränderung, in Beziehung zu etwas oder jemanden treten, Zusammenspiel zweier Pole, wählen zwischen zwei (oder mehreren) Dingen, Erfahrungen
Drei: etwas Neues entsteht aus der Vereinigung zweier Dinge, Synthese, Schöpfung, Ausdruck, Kreativität, Entwicklung und Wachstum, Erfüllung finden
Vier: Struktur, daraus resultierende Sicherheit und Stabilität, Zuverlässigkeit, die materielle Welt, Grenzen bzw. das Setzen von Grenzen als Voraussetzung für Erfolg, Verwirklichung
Fünf: Krise die zur Transformation führt, Spannungen/Schwierigkeiten die zur Veränderung führen, Vereinigung von Geist und Materie, Befreien aus Grenzen
Sechs: Harmonie, Integration, Gleichgewicht, Verbindung, Versöhnung, Gelassenheit
Sieben: Magie, Spiritualität, Mysterium und der Wunsch es zu erforschen, (Ergründung des) Bewußtseins, Veränderung, Risikobereitschaft, Experimentierfreudig
Acht: Reichtum, Verwirklichung, Manifestation, erfolgreiche Arbeit, Karma, Ernte
Neun: Vervollständigung, etwas uneigennütziges tun, tieferer Sinn einer Manifestation, Führung, moralische Autorität, Gleichgewicht zwischen Ideal und Realität, Schicksal
Zehn: Ende, Höhepunkt, neuer Anfang, Wendepunkt, Zyklus,

Hofkarten:
Prinzessin/Bube: unerfülltes Potential, Jugend, Hoffnung, Lernen, Ursprung, Kinder oder junge Menschen
Prinz/Ritter: Bewegung, Tatendrang, Entwicklung, Verantwortung erlangen, dienen wollen, Reisen, Jugendliche, oder Erwachsene
Königin: Verständnis, Mitgefühl, Bewußtheit, Empfänglichkeit, archetypische Mutterfigur, ein Mensch in mittlerem Alter
König: Reife, Verantwortung für andere, Erfolg, Leistung, Autorität, ein älterer Mensch

Große Arcana:
0. der Narr: Torheit, hochfliegende Pläne, ausgefallene Ideen, Beginn einer Entdeckungsreise, Unschuld, Freiheit, Mut, Optimismus, Potential
I. der Magier: Zeit zum Handeln und Träume verwirklichen, den ersten Schritt wagen, Kreativität, Inspiration, Wille, Führung, Stärke, etwas in Angriff nehmen
II. die Hohepriesterin: Blockade, Mahnung zur Besinnung, Geheimnis, Tiefe, Intuition, Weisheit, Tor zur Initiation, Unterbewußtsein, göttlich Weibliches
III. die Herrscherin: Öffnung, Fruchtbarkeit, Vertrauen, Fülle, Kreativität, Sinnlichkeit, Mutterschaft, Heirat, Schwangerschaft, Glück, Schönheit, Heilung
IV. der Herrscher: Struktur, Autorität, Vaterschaft, Meisterschaft, Ordnung, Schutz, Grenzen, Struktur die zum Erfolg führt, Verantwortungsvolles Handeln
V. der Hierophant/Hohepriester: Tradition, Führung, Bildung, (religiöse) Lehre, Sinnsuche, Routine gewinnen, Unterstützung, Initiation, Disziplin, Festigung
VI. die Liebenden: Liebe, Erfüllung, Hingabe, Vereinigung, Auswahl, eine Wahl treffen, sich ergeben, Hindernisse überwinden, Harmonie, Reife gewinnen
VII. der Wagen: Herrschaft, Kontrolle, Triumph, Erfolg, Hindernisse überwinden, innere Ausgeglichenheit, Siegesgewißheit, zielgerichtete Aktivitäten, Individualität, Ego entwickeln, Wille, Ruhm, Reisen
VIII. die Stärke/Kraft: Geisteskraft, Erfolg bei allen Unternehmungen die Willenskraft fordern, Mut, Vertrauen, bedingungslose Liebe, Weisheit, Mitgefühl, Verbindung, sich/etwas bezähmen
IX. der Eremit: innere Führung, Analyse, Einsicht, Abkehr, Rückzug, Vorsicht, Einsamkeit, lang andauernde Auswirkungen, Distanz, Ruhe
X. das Schicksal/Rad: Lohn erhalten, etwas ernten, Wendung zum Guten, neue Ausrichtung, vorbestimmt Ereignisse, starke Bewegung kommt in die Dinge, Veränderung zum Guten hin, Fortschritt, Gleichzeitigkeit, Unvermeidlichkeit, Anfang/Ende eines Kreislaufs, Vertrauen
XI. die Gerechtigkeit: Urteilskraft, wichtige Angelegenheiten kommen zu einer Lösung, Rechtsangelegenheiten, Ende eines Kampfes, gerechte Lösungen, Ende von Streit oder Unsicherheit, Gleichgewicht, Gelassenheit, Zeit für eine Wahl, Entscheidung oder ein Urteil, Klarheit, Fairness, etwas verstehen lernen und danach handeln
XII. der Gehängte: innere Prozesse, geistige, psychische Verfassung und Werte werden umgekehrt, Geduld, Hingabe, Opfer, tieferes Empfinden und Verstehen, Frieden finden, Unabhängigkeit, Klären einer Situation, ein „aha-Erlebnis“, wichtige äußere Veränderungen folgen nach, Moment der Erleuchtung
XIII. der Tod: sich von altem lösen, neue Wege beschreiten, neues wird geboren, radikale Veränderung des Lebens, Transformation (wird eingeleitet), Initiation, starke Gefühle (angeblich soll es für den „echten“ Tod einer Person stehen, wenn die Karte in der Deutung von lauter Schwertkarten umgeben ist)
XIV. die Mäßigkeit: zwischen den Dingen/Welten sein, Ausgeglichenheit, gesteigerte Kreativität, Harmonie, Frieden, Alchimie und Magie, höchste Leistungsfähigkeit, aktiv und gleichzeitig ausgeglichen sein können, erfolgreich beim Schaffen von Dingen sein
XV. der Teufel/Gehörnte: (freiwillige) Gefangenschaft und Unbewußtsein, dabei jedoch das Potential zur Befreiung, Herrschaft über Lebenskraft, Erwachendes Verantwortungsgefühl, Krankheit, Besessenheit, Materialismus, unterdrückende Bedingungen, Eintönigkeit, Energielosigkeit/Kraftlosigkeit
XVI. der Turm: Revolution, neuer Akt mit völlig neuen Darstellern im Leben beginnt, plötzliche Erleuchtung, Offenbarung, Zerstörung vorausgegangener Dinge, plötzliche Entladung von Spannungen, starke Erschütterungen, Umbruch, Befreiung, Erwachen
XVII. der Stern: Spiritualität, Intellekt, Kreativität, Frage nach dem Sinn, Hoffnung, die Macht andere zu beeinflussen , Optimismus, Heilung, Offenheit, Ruhe, gute Aussichten, Wandel
XVIII. der Mond: (allmähliche) Veränderungen denen man sich freiwillig unterzieht, (absichtliche) Persönlichkeitsveränderungen, Fortschritte in der persönlichen Entwicklung, Erwachen, Träume, Phantasie, Vorstellungskraft, Tiefe, Offenbarung weiblicher Mysterien, Ängsten begegnen, Rückzug (angeblich weißt sie auch auf verborgene Feinde hin, allerdings muß die Karte auch hier wieder von Schwertkarten umgeben sein)
XIX. die Sonne: Reisen, Freiheit, erhöhtes Bewußtsein, Einsicht, Verständnis, geschäftliche Angelegenheiten gedeihen, (materieller) Erfolg, Glück, Verwirklichung, Energie, Zufriedenheit, Klarheit, Optimismus, Freude, kreativer Ausdruck
XX. das Gericht/Urteil: Wiedergeburt, vergessene Träume und Ziele werden wieder entdeckt, Erinnerungen tauchen wieder auf, neue Richtungen einschlagen, Erneuerung, Transformation, Entscheidungen, einem Ruf folgen
XXI. die Welt: Vollendung, Erfüllung, Erfolg, Fülle, Leistungen, Ekstase, Einheit, Reisen, kreatives Potential, Kommunikation

Anwendungen:

Der Baum des Lebens – ein Legemuster:
Karte: Grundenergie/-situation, Herz des Fragestellers
Karte: bedeckt die erste Karte und verkörpert die Kräfte die zur Zeit auf den Fragesteller einwirken
Karte: liegt quer über den ersten beiden Karten; verkörpert Hindernisse und Schwierigkeiten die sich dem Fragesteller in den Weg stellen, die 2. und 3. Karte können sich gegenseitig verstärken
Karte: sie wird über den ersten drei Karten plaziert, sie ist der Himmel, die Begrenzung unter dem alle anderen Karten stehen, sie gibt die allgemeinen Bestrebungen des Fragestellers an
Karte: befindet sich unter den ersten drei Karten, sie symbolisiert Geschehnisse in der Vergangenheit und bildet den Grundstein für die momentane Situation
Karte: liegt links von den ersten drei Karten und zeigt die unmittelbare Vergangenheit
Karte: rechts von den ersten drei Karten, zeigt die unmittelbare Zukunft (keine Vorausschau auf Jahre!)
Die 8. Bis 11. Karte werden etwas weiter weg auf der rechten Seite von unten nach oben gelegt...
Karte: repräsentiert das Selbst des Fragestellers und wovon er berührt wird, ermöglicht Reflexion wenn sie mit der 1. Karte zusammen gedeutet wird. Beide ergeben zusammen einen Sinnen und beleuchten verschiedene Teile der Persönlichkeit des Fragestellers.
Karte: zeigt Kräfte und Energien an, die dort vorherrschen wo sich der Fragesteller am meisten aufhält
Karte: sie zeigt die Hoffnungen und Ängste des Fragenden und steht damit für seine Gefühle, also nicht für reale Gegebenheiten
Karte: symbolisiert die Lösung der Situation, sie zeigt Wege auf wie Konflikte gelöst werden können etc.

Tageskarte ziehen:
Einfach jeden Morgen oder Abend eine Karte ziehen. Sie steht für die Grundstimmung und Strömungen des (darauffolgenden) Tages.

3 Karten ziehen:
Karte: wird in der Mitte plaziert. Sie steht für den Fragestelle und seine momentane Situation. Sie symbolisiert die Gegenwart.
Karte: wird links neben die erste Karte gelegt. Sie symbolisiert die Vergangenheit und die dort wirkenden Kräfte die zur momentanen Situation geführt haben.
Karte: wird rechts neben die erste Karte gelegt. Sie symbolisiert die nahe Zukunft und zeigt wie sich die Kräfte die in der Gegenwart wirken entwickeln werden.

Weitere Möglichkeiten:
Es kann über einzelnen Karten meditiert werden. Man kann sich auch Abends eine Karte ziehen, über ihr meditieren und anschließend versuchen einen Traum von dieser Karte zu erhalten um ihre Bedeutung für das eigene Selbst näher zu beleuchten. Das selbe gilt für schamanische Reisen zu Karten.
Für Tarotkarten gilt das selbe, wie für alles andere. Es ist wichtig die passenden Karten zu finden und eine persönliche Bindung herzustellen, es gilt herauszufinden was sie für einen selbst bedeuten. Bücher mit Deutungen u.ä. zu lesen ist schön und gut, was wirklich zählt ist jedoch die eigene Praxis.