

Hier ein Interview mit zwei ganz besonderen Menschen. Ihre Sichtweitse von Wicca ist sehr Naturverbunden und Modern. Wir danken Ihnen dafür das sie sich die Zeit für uns genommen haben.

Könntet Ihr euch vielleicht kurz vorstellen
Wir sind Janet Farrar und Gavin Bone. Wir schreiben ueber Wicca und Neopaganismus. Regelmaessig geben wir weltweit Vorlesungen zu diesem und verwandten Themen. Bis heute haben wir und Janets verstorbener Mann 10 Buecher publiziert. In bisher ueber 9 Laendern organisierten wir Workshops und Treffen.
Ihr seid beide schon sehr lange im Wicca aktiv. Wie kahmt ihr zur Naturreligion bzw. zum Wicca?
Janet: Alles fing an als ich eine Freundin aus Wicca rausholen wollte. Ich war eine gute Christin und glaubte an alle positiven Aspekte des Christentums. Besonders gereizt haben mich die Ansichten der Madonna. Das ist schon eigenartig weil ich als strenge Protestantin erzogen wurde. Meine Freundin hatte mich bereits mit Eleanor Bone bekannt gemacht, einer der originalen Gardnerischen Hohen Priesterinnen. Ich war aber nicht von ihr beeindruckt. Meine Freundin gelangte an eine Kopie von June Johnas Alez Sanderas "King of the Witches" (Hexenkoenig). Sie lieh es mir aus. Eine Woche spaeter trafen wir Alex und Maxine. Das Buch faszienierte mich und ebenso interessant waren die Dinge die Alex und Maxine zu sagen hatten.
Gavin: Ich kam dazu durch einen Mix an Glaubensrichtungen. Ich war schon vorher interessiert an oestlicher Religion. Was mir dort gefallen hat war Ploytheismus, Polaritaet, Reinkarnation usw. woraus ich meine eigene Religion ableitete. Ich war ebenso fasziniert von Spiritualismus und Magie, welche ich mit einbaute. Als ich 1983 "The ABC of Witchcraft" (Das ABC der Hexenkunst) von Doreen Valiente las, war ich sehr ueberrascht. Ich realisierte das mein Glauben einen Namen hatte. 1985 arbeitete ich mit einer Zeremoniellen Magiegruppe. In den Seax-Wicca Hexenzirkel wurde ich 1986 eingeweiht.
Welche Rolle spielt eurer Glauben im alltäglichen Leben?
Wir machen da keinen Unterschied (zwischen unserem Glauben und Alltagsleben). Rund um die Uhr sind wir Priester und Priesterin. Unser Leben dreht sich um den Dienst an den Goettern., im speziellen an unserer Schutzgoettin Freya. Ihr zu Ehren haben wir einen fest eingerichteten Schrein zu Hause. (und viele Katzen). In diesem Schrein bringen Janet und ich regelmaessig angemessene Darbringungen. Natuerlich ist unsere ganze Arbeit bezogen auf Wicca und und die Neo-Panganismus Bewegung. Fuer uns ist das Priestersein dienen und nicht Hierarchie.
Wie können wir uns einen typischen Tag bei euch vorstellen?
Unser Tag beginnt um 0830 Uhr wenn uns unsere Katzen aufwecken und etwas zu Fressen wollen. Gavin startet seine Arbeit am Computer um 0930 Uhr. Er hat viele Projekte wie zum Beispiel Buecher und Trainings DVDs. Nach dem Mittag geht es weiter mit der Arbeit. Manchmal organisieren wir auch Touren und Workshops. Einen Trainingshexenzirkel haben wir auch. Es gibt also immer auch eine organisatorische Seite. Am Abend halten wir Zirkeltreffen oder einen Workshop ab. Oder Janet liest Tarot Karten fuer ortsansaessige Leute. Wir sind soviel unterwegs, dass man von einem typischen Tagesablauf eigentlich gar nicht sprechen kann.
Wie kam es dazu das Janet von Alex und Maxine Sanders initiiert wurde? Wie würdet ihr diese beiden Persönlichkeiten beschreiben?
Ich war so beeindruckt, mit dem was ich in Alex und Maxines Hexenzirkel entdeckte, das ich blieb. Meine Freundin hingegen hat aufgehoert! Ich wuerde mich selbst als die geweihteste Hexe in Wicca beschreiben! Ich wurde zwei dutzend mal fuer die Kamera geweiht. Alex Sanders liebte die Medien. Waehrend der Photoarbeiten zur Schallplatte einer Weihung "A Witch is Born" (Eine Hexe ist geboren) traf ich Stewart. Meine echte Weihung durch Alex und Maxine fand im Sommer 1970 statt. Mein zweiter Grad mit Stewart im Oktober 1970. Der dritte Grad im April 1971, nachdem wir unseren eigenen Zirkel gegruendet hatten. Stewart hat alles penibel aufgeschrieben. Ich kann dir sogar sagen welche Musik und Weihrauch wir damals verwendeten!
Alex und Maxine waren verantwortlich fuer die naechsten Schritte in Wiccas Entwicklung. Sie hatten die Idee das wirklich jeder einem Zirkel beitreten und eine Hexe werden kann. Bis zum Ende der 60er Jahre war Wicca ziemlich verschlossen. Stewart und ich dachten das war nicht etwas was Gardner in der Form bezweckt hatte. Es gab einen anhaltenden Witz darueber ob der Milchmann der zu lange vor der Haustuer steht daurch geweiht wird. Manchmal uebertrieben es Alex und Maxine. Es gab Massenweihungen von Menschen die man vorher nicht einmal kennengelernt hat. Ich fuerchte das ist etwas dem ich nicht zustimmen kann.
Welchen Einfluss hat es auf euch das Sanders die Ritualle Magie ins Wicca hat miteinfließen lassen?
Alex brachte das Konzept eines systematischen Trainings in das Britische Wicca. Bis zu dem Zeitpunkt gab es so etwas nicht in Grossbritannien. Als Grundlage dafuer, verwendete Alex zeremonielle rituelle Magie. Natuerlich war das etwas was ich (Janet) lernte. Anschliessend wurde ich sogar Cabalist und trat eine cabalistischen Loge bei. In den fruehen 90ern stoppte ich aber diese Praktiken. Wir beide (Gavin und ich) denken das Cabala und zeremonielle Magie in Wicca ausgedient haben. Laut Definition ist es naemlich mehr monotheistisch und nicht heidnisch. Wir wollten uns aber in eine heidnischere Richtung entwickeln. Nicht das ich ein Problem mit Zeremonieller Ritueller Magie haette, doch is es eben nicht wirklich ein Teil Westeuropaeischer Hexenkunst.
Wie wichtig ist Magie für eich im alltäglichen Leben?
Magie wurde einfacher fuer uns. Wir fragen ganz einfach nach Hilfe von den Goettern anstelle von komplizierten und schwierigen Ritualen. Wir denken das ist ein Weg zum Ziel. Fuer uns ist Magie weniger wichtig als unsere Aufgabe als Priester und Priesterin. Es ist fuer uns etwas natuerliches welches durch unser Alltagsleben fliesst. Nur sehr selten sprechen wir Zaubersprueche fuer uns selbst. Meist tun wir dies nur fuer andere
Als ihr euch entschieden haben eueer neues Buch "Progressive Witchcraft" zu schreiben, was gab euch dazu den Anstoß? Was war der Hintergedanke?
Wir wollten nur den Baum schuetteln und sehen was herrausfaellt (grins)!
Wir wollten sagen: Hey! lass deine Aengste hinter dir und tu Dinge selbst! Es werden keine Daemonen hervorspringen und dich mitnehmen bloss weil du etwas ungewoehnliches machst. Wir wollten den Menschen eine Basis geben sich frei Auszudruecken, ein Weg wie sie sich selbst in den Mysterien trainieren koennen.
Ihr seid ja Traitionelle Wiccaner, jedoch nicht so "absolut" und streng wie es viele sind, woher kommt diese Einstellung?
Das kommt mit der Erfahrung. Durch Fehler realisiert man das wir ALLE noch lernen, auch wir selbst. Auch haben wir gesehen das Wicca sich in den letzten Jahren in unflexiblen Glaubenslehren festgefahren hat. Wir glauben aber daran das die Natur von Wicca evolutionaer ist und sich anpassen muss oder aber das Schicksal der Dinosaurier erleiden wird.
Wie reagieren diese "streng traditionellen Wiccas" auf euer Buch?
Mit Sicherheit haben es einige nicht gemocht! Die meisten dieser Reaktionen haben ihren Ursprung in Angst. Angst vor dem Neuen, Angts davor das ungeweihte Personen Dinge fuer sich selbst ausarbeiten koennen und Angst davor das das Buch Mysterien verraet. Wie kann man aber Mysterien verraten? Diese sind etwas was jeder selbst erfahren muss und folglich auch in keinem Buch beschrieben werden kann.
Ueberraschenderweise haben wir viel Unterstuetzung von aelteren Wiccanern
Gavin kommt ja aus der Seax Wicca Linie. Worin besteht der Grundlegende Unterschied zwischen dem Seax Wicca und dem Werk von Garder?
Seax-Wicca wurde 1974 von Ray Buckland gegruendet. Das geschah aus Frustration darueber das Einige fuer sich in Anspruch nahmen Tradtionen zu haben die bis ins Mittelalter zurueckreichen. Zu fast allen Traditionen gab es aber keine Beweise dafuer. Auch nicht bei Garderian Wicca, wo Ray geweiht wurde. Weil ihm die Luegen und Prahlerei in einigen dieser Traditionen nicht passten gruendete er Seax-Wicca. Es war die erste der wiederaufgebauten Traditionen. Dir groesste Unterschied zu Traditionellem Britischen Wicca ist der Verzicht auf Hierarchie und Raenge. Das Magiesystem beruht auf Angelsaechsischem und nicht einem Mischmasch aus verschiedenen Kulturen wie zum Beispiel British Traditional Wicca. Es wurde als Grundlage entwickelt von der aus man sich entwickeln kann und nicht als etwas dogmatisches woran man sich festklammert.
Ihr ratet dem Leser in eurem Buch dazu sich über Voodoo, Santeria und Hinduismus zu Informieren weil diese sehr alte und eigeborene Religionen sind. Beeinflußt das eure persönliche und geistige Arbeit. Wenn ja, wie schaut das aus?
In den letzten Jahren hatten wir Erfahrungen mit all den aufgezaehlten Traditionen gemacht. Sangoma, tradionelle suedafrikanische Heiler, Neuseelands Maori und die australischen Korri haben wir auch waehrend unserer Resien kennengelernt. Deren Traditionen praktizieren wir nicht. Sie helfen uns aber dabei die Spiritualitaet unser eigenen westlichen Traditionen zu entdecken. Eine Ausnahme gibt es jedoch in Bezug auf Hinduismus. Wir haben einen Schrein fuer Durga und Kali in unserem Haus weil wir mit denen Erfahrungen gemacht haben. Wir benutzen Chakras als Trainingsmethode die traditionellen Vedischen Methoden lassen wir aber weg.
In eurem Buch beschreibt ihr die verschiedenen Möglichkeiten einen Coven zu führen. Aber ihr beschriebt nicht das ein Coven auch von nur einem Hohe Priester geführt werden kann, wie kommt das?
Das ist wahrscheinlich ein Fehler unsererseits. Es gibt keinen Grund warum ein Hexenzirkel nicht durch einen einzelnen Hohen Priester alleine gefuehrt werden kann, solange er erfahren ist. In der Tat kennen wir sogar einen Hexenzirkel der von zwei homosexuellen! Hohen Priestern geleitet wird (einer davon wurde von uns geweiht). Hexenkunst ist naturgemaess eine Art von femininer Magie. Jeder Mann muss bereit sein mit seinem eigenen Tier umzugehen, der weiblichen Seite seiner Natur. Aber das ist onehin der Teil den wir "Die Mysterien" nenen.
Es scheint so das ihr viele Schamanischen Techniken mit benutzt und sie auch sehr wichtig findet.
Wir finden sie sogar mehr als wertvoll! Echte traditionelle europaeische Hexenkunst IST Shamanismus! Schau dir nur mal die mittelalterlichen Beschreibungen an, die Verwendung von Flugsalben, Hallizinogenen, die Verbindung von Hexen und Geistern, Krafttiere, Zauberbuecher usw. All dies sind Beschreibungen von Shamanischen Ritualen. Hexenkunst ist fuer uns der Schritt, der auf Shamanismus folgt, wo sich die Kultur von Sammler und Jaeger zur Landwirtschaft veraenderte. Das Orakel zu Delphi, die Phytia wurde oft als Hexe beschrieben aber ganz klar waren es schamanische Praktiken die sie vollfuehrte.
Welche Grundlegenden Schamanischen Techniken nutzt Ihr?
In unserem Grundtraining lehren das Reisen zwischen den Welten und Trance Techniken. Wir haben uns spezialisert auf Workshops zu Trance-Weissagungen. Diese beruhen auf Seith/Seidr (Saxon/Norse) und den Praktiken des Oraken von Delphi welche wir zuvor erwaehnten.
Ihr seid sehr viel in der Welt unterwegs. Was beduetet es euch auf diese Reisen, Seminare zu geben, Unterichte zu geben und lesungen zu halten? Nimmt das all eure Zeit in anspruch?
Zur Zeit haben wir eine Pause. Reisen ist Teil unserer Arbeit und unserer Brufung als Priester und Priesterin. Zur Zeit beschaeftigen wir uns hauptsaechlich mit Trance-Weissagungen in Workshops. Wir erachten es fuer wichtig, das die Menschen es den Goettern und Goetinnen erlauben zu sprechen.
Hatte ihr auf euren Reise einige besondere Erfahrungen? Wollt ihr uns eine davon Erzählen?
Als ich, nach zwei Tagen Zeremonie zum Ehren Lesotu Sangoma, einem traditionellen suedafrikanischen Heiler, wurde. Obwohl das Ziegenfleisch war etwas zu frisch! Es dauerte schon einen Tag bis sich jeder vorgestellt hat. Es ist Tradition das jeder die juengste Geschichte seines Dorfes vortraegt.
Wo finden euren nächsten Seminare statt, und habt ihr in eurem Terminkalender auch eine Reise nach Deutschland vorgesehen?
Im July gehen wir fuer zwei Wochen nach Italien. In Milan nehmen wir an einer Heidentum Konferenz teil. Danach geht es weiter nach Cumae in der Naehe von Neapel um den Schrein von Hekate und Cybele zu besuchen. Anschliessend werden wir einen Wochenend Intensivkurs abhalten. Zur Zeit planen wir keinen Besuch in Deutschland. Wenn es geplant werden kann wuerden wir es toll finden zu kommen und einen Tag Trance-Prophezeiungen im Intensivkurs durchzufuehren.
Wie sieht eure Meinung über die derzeitigen Trends in der Heidenscene aus?
Ueber die Jahre konnten wir einige spezifische Trends erkennen die die Heidenscene beeinflussen. Es ist fast so als ob es atmet. Regelmaessig vergroessert sich die Anzahl und nach einiger Zeit verringert sie sich wieder. Die, mit echten Absichten bleiben uebrig und bringen ihre neuen Ideen mit ein. Die alten Ideen verlieren ihren Zweck und werden ausgeatmet. Heidentum ist im dynamischen Fluss. Ein Schema von Zusammenziehen, Ausdehnung und Zusammenziehen
Was wünscht Ihr Wicca für die Zukunft?
Wicca ist nur 50 Jahre alt, also noch sehr jung. Das ist nur eine kleine Zeitspanne fuer eine richtig neue Religion. Es macht immer noch die Phase der Wachstumsschmerzen durch, welche manchmal in Intolleranz und Konflikten zwischen Einzelnen und Traditionen fuehren. Ich denke also das mir uns wuenschen muessen das Wicca eine Reife und ein Selbstverstaendniss entwickelt welches es ermoeglicht sich dem eigenen Schatten zu stellen. Das Wicca erkennt das Vielfalt keine Schwaeche ist sondern Staerke, ganz so wie im Hinduismus.
Was wünscht Ihr euch, wohin soll eure Spirituelle Reise noch gehen?
Buchstaeblich geben wir uns in die Haende unserer Goetter. Deshalb werde wir gehen, tun und sein wohin auch immer sie uns gebieten. Zur Zeit konzentrieren wir uns auf das Lehren von Trance-Prophezeiungen so das Menschen in der Lage sind Zugang zu den Mysterien zu erlangen.