Oliver Fehn

Wir haben die Ehre euch ein weiteres sehr Interessantes Interview zu bieten. Jeder der sich für das Thema Satanismus interessiert (und vor allem auch diejenigen die Zweifel an diesem Wege haben) sollten sich dieses Interview einmal durchlesen.

Klischee denken und Massenmeinungen haben hier nichts zu suchen, wer so etwas sucht ist hier gänzlich Falsch. Hier wird aufgeräumt mit dem Bild des Kirchenanzündenden, Bösen Satanisten. Ich danke Oliver Fehn für seine Zeit die er hier investiert hat.

 

  1. Für die Menschen, die dich nicht kennen: Kannst du dich kurz vorstellen?

    Ich habe zwei Bücher zum Thema Satanismus geschrieben – „Satans Handbuch“ und „Die Schule des Teufels“. Es waren die ersten Werke eines deutschsprachigen Autors zu dem Thema. Vorher gab es – abgesehen von den LaVey-Übersetzungen – nur die üblichen „Erfahrungsberichte“ irgendwelcher „Opfer“ von vermeintlich Satanischen Sekten. Daß letztere mit Satanismus nichts zu tun haben, muß ich hoffentlich nicht mehr betonen.
  2. Wie hat es dich auf den Pfad des Satanismus verschlagen?

    Wer Satanist ist, war auch immer Satanist. Mein Verhalten und meine Art, die Welt zu betrachten, war von Kindesbeinen an Satanisch, aber erst als Erwachsener stieß ich auf Anton LaVeys Werke und fand meine Gedanken darin wieder. Und ich war zunächst sehr skeptisch, als ich was von einer „Satanischen Bibel“ hörte. Ich dachte, sicher wieder so ein selbsternannter Guru ohne Substanz. Dann wurde ich mit einem der intelligentesten philosophischen Bücher überrascht, die es gibt.
  3. In den meisten Religionen gibt es Fehldeutungen der ursprünglichen Ideen oder Aussagen. Gibt es diese bei der Lehre von Dr. LaVey auch? Wie siehst du das?

    Wo Worte geschrieben oder gesagt werden, gibt es auch Menschen, die diese Worte falsch interpretieren. In der Satanischen Bibel z. B. werden die Starken gepriesen und die Schwachen geschmäht. Wer darin plumpen Darwinismus erblickt, ist auf dem Holzweg. Nehmen wir eine Schulklasse: Ein Junge, der anders ist als der Rest, wird von einer Gruppe Bullies gemobbt. Wer ist hier der eigentlich starke Pol? Der selbstbewußte Knabe, der sich traut, gegen den Strom zu schwimmen, oder die Bande von Hühnerhof-Idioten, die nur im Plural mutig sind? Stark ist nicht, wer vorübergehend am längeren Hebel sitzt, sondern wer es wagt, seinen Weg allen Widerständen zum Trotz zu gehen. In einem Land voll starker Menschen hätte es keinen Nationalsozialismus gegeben.
  4. Welche Rolle spielt die Magie in deinem Leben?

    Eine prägende – und ich spreche dabei auch von Lesser Magic, also der angewandten Psychologie des Alltags, die der Ritualmagie in nichts nachsteht. Rituale führe ich nur durch, wenn es um große Umwälzungen in meinem Leben geht. Wobei ich im Ritual ein Psychodrama sehe, um innere Gewalten zu mobilisieren. An Geister und Dämonen glaube ich nicht..
  5. Was bedeutet für dich persönlich Magie?

    Es ist das, was mir und anderen Satanisten die Fähigkeit verleiht, das Leben auf eine Art und Weise zu bewältigen, von der andere nur träumen können. Manchmal kommen Leute und sagen: „Wie kann man an so etwas wie Magie glauben? Das ist doch bar jeglicher Vernunft.“ – Und ich denke mir: „Du klebst viel zu sehr an deinen Mustern, um je zu begreifen, worum es hier geht; deshalb ist dein Leben auch so armselig wie es ist.“ – Zum Glück hat wahre Magie ein eingebautes Sicherheitsventil: Einfaltspinsel werden sich ihrer niemals bedienen können.
  6. Du bist ja auch Autor von nicht-Satanischen Büchern. Wie nimmt die Öffentlichkeit deine anderen Werke in Hinsicht auf die Satanischen Bücher an? Gibt es dort Probleme, oder ist es den meisten eher gleich?

    Sicher schockt es manche Leute, wenn Sie erfahren, der Autor ihres Lieblingsromans ist Satanist. Sie wundern sich dann, warum nirgendwo im Buch der Teufel vorkommt. Aber ich sehe darin auch eine Chance: Die Leute vertiefen das Thema und kapieren endlich, daß Satanisten keine perversen Finsterlinge sind, sondern höfliche und disziplinierte Menschen, die sogar gute Romane schreiben.
  7. Bist du Mitglied der Church of Satan?

    Bislang nicht – aber das hat nichts mit der CoS als solcher zu tun. Ich schätze diese Organisation sehr und stehe ihr so nahe wie ein Nicht-Mitglied ihr nur stehen kann. Man hat oft sehr private und schwer definierbare Gründe, warum man etwas tut oder nicht tut. In Sachen Beitritt jedenfalls sind meine Überlegungen noch lange nicht abgeschlossen.
  8. Siehst du in der heutigen Zeit eher ein Umdenken in einem christlich geprägten Land, so dass der Satanismus mehr anerkannt wird? Oder sind die Klischees auch heute noch so verhaftet?

    Selbstverständnis und Handeln gehen da leider nicht konform. Viele führen einen Satanischen Lebensstil, zahlen aber gleichzeitig Kirchensteuern. Wenn ich ihnen die Grundsätze des Satanismus erläutere, stimmen Sie mir in allen Punkten zu – aber das S-Wort scheuen sie weiterhin. Aus diesem Grunde hoffe ich, daß möglichst viele Satanisten sich in Zukunft outen. Dann fallen auch Scheuklappen und Berührungsängste.
  9. Ist das so leicht?

    Es ist oft leichter als man denkt. Vor kurzem gab ich einem sehr konservativen Regionalblatt ein Interview, in dem ich kein Hehl aus meinem Satanischen Background machte, und man hat mich dafür weder geteert noch gefedert. Man muß nur selbstbewußt genug auftreten und darf keinen „Beutegeruch“ verströmen. Auch das ist übrigens Magie.

Wir danken für das Interview!