Das Schwein

Das Schwein

Diese Tierart steht dem Mensch sehr nahe denn es lebt bereits seit tausenden von Jahren eng mit uns zusammen. Es gehört zu den am längsten domestezierten Tieren und wurde sehr schnell als Fleischliferant gehalten.
Die Schweinezucht war für viele Völker wesentlich praktischer als eine Rinderzucht denn ein Schwein ist ein Allesfresser. Von Gras über Wurzeln und Knollen bis hin zu Essensabfällen der Menschen, ernährt es sich. Folglich stand das Schwein als günstig zu haltendes Nahrungsmittel im hohen Ansehen.
Von einem geschlachteten Tier konnte eine Familie lange Zeit leben und war gerade für die harte Winterzeit das reinste Glück.

Doch nicht nur durch sein Fleisch steht uns dieses Tier so nahe. Das Schwein ist von seiner Genetik dem Menschen sehr ähnlich weshalb es auch von ähnlichen Krankheitserregern heimgesucht wird. Nach einigen Wissenschaftlichen Theorien soll die Rasse der Schweine sogar die erste Säugetierart der Erde gewesen sein. was bedeuten würde das der Mensch sich letztendlich aus dem Urschwein entwickelt hat.

Da bekommt die Sau als Muttergottheit doch gleich eine ganz neue Bedeutung.

 

Spar und Glücksschwein

Ein Schwein konnte man von eigenen Essensabfällen ernähren und wuchs trotzdem zu einem großen , prächtigen Tier heran.

Kein Wunder das man noch heute um Geld zu sammeln ein Schwein benutzt. Das Sparschwein. Man wirft kleinere Münzen die überflüßig sind hinein und erhält am Ende doch einen großen Betrag.

Das so ein kleines Ferkel für eine arme Familie ein Glück war versteht sich von selbst. Ohne großen Aufwand und Investition konnte man es groß ziehen und hatte dadurch eine erhebliche Wehrtsteigerung.
Vielleicht kommt das Glücksschwein aber auch von mittelalterlichen Wettkämpfen, bei denen der Verlierer ein Schwein geschenkt bekam. Zwar unter dem Spott aller Zuschauer, doch trotzdem ein unerwartetes Glück für den armen Verlierer der sich doch eigentlich den Sieg erhofft hatte.

 

Schweinegöttin - Muttergöttin

Das Schwein symbolisiert uns Fruchtbarkeit , Mütterlichkeit und Weiblichkeit.

Die gebärende Schweinegöttin die das Land befruchtet und bevölkert kommt in vielen Geschichten vor. Außerdem werden viele Erdgöttinnen von Schweinen begleitet, da dieses Tier ihnen heilig war. Das Schwein bearbeitet mit seinem Rüssel und seinen Hufen den Boden auf der Suche nach Nahrhaften Knollen und Wurzeln. Auf diese Weise bringt das Schwein der Mutter Erde fruchtbarkeit, denn durch diese durchwühlen der Erde wird der Boden belüftet und Pflanzensamen werden in die Erde eingegraben wo sie sich dann entwickeln können. Gleichzeitig sorgen die Tiere für eine gute Düngung. Durch diesen Dienst schenken sie der Göttin neues Leben.

Die entweder stark weibliche oder auch stark männliche betonte Symbolik der Sau und des Ebers sind auf das Verhalten der Tiere zurück zu führen.
Eine Rotte Schweine besteht aus der Muttersau und ihren Ferkeln die eine sehr enge Bindung zueinander haben. Angeführt wird die Rotte von einer erfahrenen älteren Bache. In dieser Rotte schließen sich bis zu 20 Bachen mit ihren Jungen zusammen. Männliche Mitglieder gibt es keine. Im Gegenteil, die männlichen Jungtiere bilden nach einiger Zeit eine eigene Gruppe die sich erst mit der Geschlechtsreife auflöst. Von da an sind die Eber Einzelgänger die sich nur zur Paarung der weiblichen Herde anschließen.

Neben der Mutterrolle steht diese heilige Sau aber auch meistens für eine Metarmorphose. Tod und Wiedergeburt. Es kann passieren das eine Muttersau ihre Ferkel auffrisst , was aber nur selten vorkommt. Hauptsächlich sind die Bachen dafür bekannt ihren Nachwuchs auf äußerste zu verteidigen was einen Hinweis auf die Fürsorglichkeit der Schweinegöttin ist.

Nuit

Quelle:www.virtual-egyptian-museum.org
Als eine solche Göttin wäre Nuit zu nennen. Sie gilt als Mutter der Sterne und somit kommt ihr wohl unweigerlich die Symbolik einer Sau zu, die ihre Sternenferkel säugt. Doch jeder weiß das die Sterne nicht immer zu sehen sind. Die Erklärung liegt auf der Hand. Die Göttin frißt ihre Sternenkinder bei jeder Dämmerung um sie dann aufs neue in der Dunkelheit zu gebären. Neben den Sternen hat Nuit noch ein weiteres Kind das oft in Schweinegestalt gezeigt wird, Seth.

Cerridwen
diese walisische Göttin des Kessels also der Weiblichkeit und des Wissens und des Todes, wird oft als weiße Sau dargestellt.Geben und nehmen, Leben und Tod vereinen sich in dieser Göttin.
Als weiße Sau fraß sie die toten Körper der Menschen. Durch dieses symbolische auffressen konnte der Tode sich verwandeln und wiedergeboren werden , gegebenfalls ging er durch die gebende Muttergöttin über in die Anderswelt.
Für Ihren unansehlichen Sohn braute sie über ein Jahr lang einen Trank der ihm weiterhelfen sollte. Täglich gab sie ein weiteres Kraut hinzu und damit das Feuer unter dem Kessel ja nie ausgehen möge stelle sie den Jungen Gwion Bach ein, als Wächter des Feuers. An dem Tag als der Trank endlich fertig war spritzten Gwion einige Tropfen des Trankes auf die Hand. Reflexartig lutschte er diesen ab und war von diesem moment an mit großem Wissen gesegnet. Er kannte die Sprache der Tiere, konnte sich verwandeln und in die Vergangenheit und Zukunft blicken. Deshalb wurde ihm schnell klar wie zornig Cerridwen über sein Mißgeschick sein würde. Von da an begann die Jagd. Gwion verwandelte sich in einen Hasen, Cerridwen in einen Jagdhund. So ging es immer weiter, quer durch das Land. Zum Schluß verwandelte sich Gwion in ein Weizenkorn das von Cerridwen als Huhn gefressen wurde. 9 Monate später gebar sie Talisien, den großen Barden.

Hen wen
Das ist Cerridwens kymrische Entsprechung mit andere Geschichte.
Henwen bedeutet "alte Weiße" .
Dargestellt als weiße Sau gilt sie als Erdmutter die Überfluß und Wohlstand bringt. Gleichzeitig ist sie aber auch für die Plagen verantwortlich. Da es in Prophezeihungen hieß das Henwen für Großbritannien nur Plagen und Elend gebären würde, verfolgte man sie ohne Gnade.
Auf ihrer Flucht durch die Lande gebar sie Roggen und Weizen. Dadurch versorgte sie die Erde mit Nahrung. Auch Tieren schenkte sie das Leben. Sie war die Mutter der Bienen, des Wolfes, des Adlers und eines getüpfelten kleinen Kätzchens . Dieses Kätzchen könnte man allerdings schon als Plage bezeichnen , denn es soll riesengroß gewesen sein und neun Krieger verspeist haben. Sogar Arthus habe gegen diese Katze , mit dem netten Namen "kratzende Katze" gekämpft.
Über diesen ursprünglich keltischen Mythos hat der Autor Lloyd Alexander 1985 einen Fantasieroman für Kinder geschrieben => Chroniken von Prydain
Auch Walt Disney hat sich dem Thema angenommen und das ganze als Taran und der Zauberkessel auf den Markt gebracht.

Demeter
Diese griechische Göttin des Getreides, Ackerbaus und Vegetation ist die Erdgöttin schlecht hin. Ohne sie vergeht das Leben auf der Erde im Herbst und kehrt frisch und erneuert im Frühling zurück.
Der Demeter opferte man kleine Ferkel. Fruchtbarkeit für Fruchtbarkeit. Und oft wird Demeter auch von Schweinen begleitet.

 

Wohlstand , Fülle
weitere Bezeugungen für das Wohlstand und Fülle bringende Schwein sind die Geschichten von seiner unendlichen Vermehrung.

Bei den Germanen gibt es die Erzählung von dem Eber Saehrimnir der täglich in Wallhall als Speise gekocht wurde. Er ernährte nicht nur alle im Kampf gefallenen Krieger Wallhallas, sondern auch noch Odins Wölfe Geri und Freki. Doch der Eber erneuerte sich immer wieder so das er am nächsten Tag von neuem gekocht werden konnte um aufs neue alle zu sättigen.

Ähnliches gibt es bei den Inselkelten. Hier sind es die Schweine des Gottes der Anderswelt Manannan mc Lir, welcher im walisischen Glauben auch ein Gott der Bauern ist, die sich immer wieder regenerieren.

Überhaupt spielen in den keltischen Geschichten Schweine eine große Rolle. Da bekommt Pwyll, ein Fürst, Schweine aus der Anderswelt geschenkt. Jeder beneidit ihn um diesen Schatz da man solche Schweine noch nirgends gesehen hatte. Doch Gwydion gelang es durch eine List diese Schweine ansich zu nehmen wodurch es anschließend zu einem Krieg kam.
Außerdem kommt es zu einem großen Streit darum wer ein Schwein zerlegen darf , was offensichtlich nur einem Ranghohen Mann vorbehalten war.

Männlichkeit und Fruchtbarkeit
der Eber steht natürlich für die Männlichkeit und deshalb ist er das heilige Begleittier von einigen sehr männlichen fruchtbaren Göttern.

In der nordischen Mythologie besitzt Freyr den Eber "Gullinbursti" was "goldene Borste" bedeutet. Freyr selbst ist verantwortlich für Regen , Sonnenschein und damit Pflanzenwachstum.

Die Göttin der Fruchtbarkeit , Liebe und Sexualität , Freya, Zwillingsschwester von Freyr reitet ebenfalls einen Eber. Sie soll ihren Geliebten Ottar in diesen Eber verwandelt haben damit er immer in ihrer Nähe sein konnte.

Die Arbeit mit dem magischen Schwein

Die Muttersau ist das gebende, nährende Prinzip während der Eber für Männlichkeit, Potenz und Sexualität steht
Das Schwein läßt uns entweder einen Ausgleich zwischen diesen Kräften spüren oder wir erleben ein extrem des jeweiligen Prinzips. Auf jeden Fall aber kommt man in einen intensiven Kontakt zur Mutter Erde und ihren Kräften.

Symbolik
Zusammenfassend läßt sich sagen dass das Schwein ein heiliges Tier war und ist dem meist große Achtung entgegengebracht wurde.
Es steht für Kraft, Mut und Furchtlosigkeit, Entschlossenheit => wie die Muttersau die Ihre Jungen verteidigt.
Fruchtbarkeit, Mütterlichkeit, Geborgenheit.
Wohlstand, Fülle, Sicherheit
Das Wildschwein bringt Euch wieder näher zu Mutter Erde.
Leben, Tod, Verwandlung .

Der Schwur auf die heilige Sau

Ein Brauch zu Yul ist der Schwur auf die heilige Sau, der früher vom Vater einer Sippe dargebracht wurde. Er schwor seine Sippe im kommenden Jahr zu schützen und für Nahrung zu sorgen. Krieger kündigten große Heldentaten an und Frauen schworen ihre Pflichten zu erfüllen.
Der Schwur wurde auf das Fell der Sau abgegeben. Wahrscheinlich auch hier die Sau als Ursprung des Lebens.
Heute lebt dieser Brauch vereinzelt wieder auf und nimmt recht lustige Ausmaße an wenn im leicht angetrunken Zustand Schwüre gegenen werden die bis zum nächsten Yulfest eingehalten werden müssen. Für den Fall das der Schwur nicht eingehalten wird, muss man festlegen was man als Strafe tun wird :o)