Das Copyrigt der obigen Original Fotografie von Chris Redstar liegt bei Melanie Laetitia Mantis
www.laetitiasdeath.com
Wir haben die Ehre ein weiteres Interview zum Thema Satanismus zu präsentieren. Wer bisher noch ein falsches Bild von Satanismus hat, solle es spätestens nach dem Lesen des Interviews verändert haben. Reverend Chris Redstar Mitglied der Priesthood of Mendes und Mediensprecher der Church of Satan in Deutschland hat ein paar Fragen zu diesem Thema beantwortet.
1 Reverend Redstar, könnten Sie sich vielleicht in kurzen Worten
vorstellen?
Nun, mein Name ist Chris Redstar und weil ich immer wieder danach
gefragt werde: Ja, so steht er auch in meinem Ausweis.
Ich bin 36 Jahre alt und wurde im Mai 1970 c.e. in Mannheim geboren.
Einen großen Teil meiner Jugend lebte ich in Pasadena,
Kalifornien, in der Nähe von Los Angeles. 1986 kehrte ich nach
Deutschland zurück und lernte den Beruf des Polizeibeamten.
Von 1995 bis 2005 war ich Inhaber einer Privat- und Wirtschaftsdetektei.
Im Jahre 2006 versuchte ich mich im Internetversandhandel,
habe aber schnell gemerkt, daß mich das auf Dauer nicht interessiert.
Die Zeit die man investieren muss steht in keinem Verhältniss zum
Gewinn den man machen kann. Im Sommer 2006 habe ich mein langjähriges
Hobby zum Beruf gemacht und bin nun professioneller
Pokerspieler.
Ich bin langjähriges Mitglied der Church of Satan und wurde 2003 zum
Agent (Mediensprecher) ernannt. Im April 2005 wurde
ich von High Priest Gilmore zum Priester geweiht und bin seither
Mitglied der Priesthood of Mendes der CoS und deren deutscher
Repräsentant.
2 Was hat Sie auf den Pfad des Satanismus gebracht?
Ich denke nicht, daß man auf den Pfad des Satanismus kommen kann. Man
lebt diese Philosophie ganz natürlich von sich aus,
ohne zu wissen daß es Satanismus ist, bis man auf die Schriften der CoS
stößt und dann merkt, daß diese Lebensweise einem schon
immer zu eigen war. Es gibt eine große Zahl von Menschen, die Satanisten
sind ohne es zu wissen. Irgendwann wird man vielleicht mit diesem Faktum
konfrontiert und kann dann diese Tatsache annehmen und für sich nutzen
und ausbauen, oder man ignoriert es und verdrängt den Gedanken.
Ein inneres "Konvertieren" zum Satanismus wäre ein Paradoxon.
Ich selbst las mit 14 Jahren zum ersten Mal die "Satanic Bible" von
Anton LaVey und ich war einigermaßen enttäuscht von ihrem Inhalt. Da
stand ja gar nichts
Sensationelles und Geheimes drin.Alles was ich da laß war mir mehr oder
weniger schon damals klar. Erst später merkte ich, daß eben genau dieser
Effekt
bei Satanisten auftriit, die die Satanische Bibel als einen Spiegel
ihrer Lebensweise und Einstellung sehen. Sie ist sozusagen der
ultimative Selbsttest ob
man Satanist ist oder nicht. Wer sich in dem Buch nicht selbst
wiederfindet, der braucht sich über Satanismus keine weiteren Gedanken
zu machen und
kann getrost weiterziehen.
3 Die Church of Satan schein in den USA ja sehr bekannt zu sein. In
Deutschland offenbar weniger. Haben sie den Eindruck das man in
Deutschland sich weniger traut sich zu Church of Satan zu bekennen,
aus “Angst” den vermeintlichen Ruf zu verlieren?
Die CoS ist naturgemäß in den USA am bekanntesten, allein durch die
Tatsache, daß sie dort gegründet wurde und die USA das erste
Verbreitungsgebiet der CoS war.
Der Bekanntheitsgrad der CoS in Deutschland ist in den letzten Jahren
stark gestiegen. Zumindest der Name ist den Menschen ein Begriff
geworden. Der Name "Satan"
ist hierzulande jedoch immernoch sehr stark christlich geprägt, sodaß
viele Menschen immernoch denken, es handle sich um eine Art Teufelskult.
Aber auch auf diesem
Gebiet leisten wir mittlerweile erfolgreiche Aufklärungsarbeit.
Ich denke nicht, daß man sich in den USA mehr zur CoS bekennt als in
anderen Ländern. Sehr viele Mitglieder entschließen sich ihre
Mitgliedschaft verborgen zu
halten und das ist ihr gutes Recht. Die CoS gibt auch niemals
irgendwelche persönlichen Angaben zu ihren Mitgliedern preis. Eben weil
viele dadurch unnötige
Nachteile im Beruf und im täglichen Leben hätten. Die Mitglieder, die
man vom Namen her in der Öffentlichkeit kennt, sind nicht mal die Spitze
des Eisbergs. Die
CoS wird auch niemals die Zahl ihrer Mitglieder veröffentlichen. Zum
Einen macht es keinen Sinn, da Quantität keinen Aufschluss über die
Qualität gibt.
Zum Anderen sind Zahlen immer relativ. Manchen Leuten käme die Zahl
vielleicht gering vor und man würde uns nicht ernst nehmen. Anderen käme
die Zahl rießig
vor und sie würden eine öffentliche Panik lostreten und eine Hexenjagd
veranstallten. All das liegt nicht im Interesse der CoS.
4 Welche Rolle spielt die Magie in Ihrer Weltsicht?
Magie hat in meinem Leben den selben Stellenwert wie die Säge im Leben
eines Schreiners.
Sie ist ein Werkzeug von vielen um ein bestimmtes Ergebniss zu
erreichen. Aber sicher nicht das
einzigste oder wichtigste. Magie ist eine Fertigkeit, die man mir
Erfahrung erlernen kann, aber wohl nie meistern kann.
5 Die bisherige Prägung der Religiosität in Deutschland scheint langsam an Boden zu verlieren. Werden sie dadurch öfter auf die Church of Satan angesprochen, oder eher weniger?
Ich glaube dieser Trend hat keinerlei Einfluss auf uns. Satanismus und
die CoS gelten allgemein nicht als "Alternative" zu herkömmlichen
Religionen.
Wir sehen uns auch nicht als solche.
6 Als Vertreter der Priesthood of Mendes und Church of Satan in
Deutschland, wie reagieren die Menschen auf Sie?
Da gibt es absolut jede mögliche Reaktion. Von Angst und Panik, über
Neugierde, Gleichgültigkeit bis hin zu
Autogrammwünschen und intimen Angeboten ist da alles dabei. Die meisten
Reaktionen amüsieren mich, solange
die jenigen nicht zu penetrant werden kann ich damit leben.
7 Wird es irgendwann noch mal ein Buch von ihnen zu lesen geben?
Ja, sogar mehrere. Mein erstes Buch "Greetings from Hell" ist
mittlerweile ausverkauft. Es wird Ende des Jahres in
einer überarbeiteten Ausgabe neu erscheinen. In einem zusätzlichen
Kapitel werde ich hier eine Reihe meiner bisherigen
Essays veröffentlichen.
Ebenfalls noch 2007 möchte ich mein zweites Buch "Homo Deus, der
Gottmensch" auf den Markt bringen.
Dieses Buch behandelt auf hypotetischer Basis die Möglichkeiten der
geistigen Unsterblichkeit des Menschen.
Hierzu habe ich umfangreiche Recherchen angestellt, sogar die Kunst der
Hypnose erlernt und mit einigen
Personen eine Rückführung durchgeführt um meine eigenen Erkenntnisse auf
diesem gebiet zu erlangen.
Als drittes Buch arbeitete ich an einem Roman. Wann dieser jedoch fertig
wird ist noch nicht abzusehen. Meine Zeit
ist sehr begrenzt und um kreativ zu schreiben muss ich in der Stimmung
dazu sein.
8 Was würden sie jemanden Raten der sich näher mit der Praxis des
Satanismus beschäftigen will?
Ich würde ihm raten die Satanische Bibel zu lesen. Wenn er sich darin
wiederfindet sollte er die anderen
Bücher LaVeys lesen, sowie die deutschsprachige Literatur hierzu von
Lars Kronlob, Oliver Fehn und eventuell
auch von mir. Des weiteren gibt es Internetforen, in denen man sich
informieren kann. Ein deutsches Forum, welches
ich empfehlen kann ist unter www.baphoed.de zu finden. Wer sicher im
Englischen ist, der sollte sich mal auf
www.satannet.com anmelden.
Ansonsten gilt hier, daß es keinen allgemeingültigen satanischen Weg
gibt. Man muss die Philosophie seiner eigenen
Person anpassen und leben. Tut man dies nicht, oder wäre es nicht
möglich dies zu tun, wäre Satanismus nichts anderes
als ein weiterer sinnloser Überlegenheitstrip.
9 Was ist aus Ihrer Sicht “Satan”?
Satan ist allegorisch. Er ist das Symbol des ultimativen Rebellen. Satan
ist die Urkraft in mir, die mir meine
wahre Natur zeigt und mich antreibt. Hierzu ein Zitat aus meinem Buch"Greetings from Hell":
/Satan ist ein Archetyp. Er repräsentiert verschiedene Eigenschaften und
Werte. Satan ist die Urenergie des Lebens. Die schwarze Flamme, die
Macht die alles durchströmt und beeinflusst. Ich spüre ihn in mir, wie
er mich antreibt und mir meine wahre Natur zeigt. Die des Jägers und des
selbsterkennenden Gottes. Er ist Liebe, Hass, Magie. Er ist der Schrei
in der Nacht, der Triumph beim Sieg, das Zittern beim Hassen, der Friede
beim Blick auf das Meer. Satan ist deine Natur.
Wir danken für das Interview!

