
1. Kannst du dich kurz Vorstellen
Na klar. Mein Name ist Benjamin Richter und ich leite die Immrama-Schule für Schamanismus, die Ende 2006 von Berlin nach Niederbayern umgezogen ist.
2.Wie bist du zum Schamanismus "gekommen", bzw. was hat dich dazu bewogen diesen Weg zu gehen?
Über mein Religionswissenschaften- und Ethnologie-Studium bin ich das erste mal über den Begriff Schamanismus „gestolpert“. Zeitgleich habe ich Lotan, den Leiter der ersten Hexenschule in Deutschland kennen gelernt. So habe ich angefangen mich sowohl theoretisch wie auch praktisch immer intensiver mit der Materie zu beschäftigen. Dabei habe ich dann gemerkt, dass ich schon viel früher – schon im Kindesalter – einen Draht zur Magie, bzw. zu Energien und zur Spiritualität hatte. Nnur wusste ich damals natürlich nicht, dass es dafür bestimmte Begriffe und erlernbare Techniken gibt.
3. Kannst du mit kurzen Worten definieren was du unter Schamanismus verstehst.
Der Schamanismus definiert sich zum einen über die Fähigkeit des Schamanen willentlich in einen veränderten Bewusstseins-Zustand ein zu treten. Diesen Zustand bezeichnen wir normalerweise als Trance. Des weiteren gehört die Fähigkeit dazu, sich in diesem Zustand mit Energien und Kräften zu verbinden, die normalerweise nicht „sichtbar“ sind – also mit der feinstofflichen Welt. Und der dritte Punkt ist, dass der Schamane diese Reisen nutzt, um Wissen zu erwerben, mit dem er dann den Menschen in seiner Gesellschaft helfen kann, also Einfluss auf die diesseitige Welt nimmt.
4. Welchen Einfluss hat der Schamanismus auf dein alltägliches Leben?
Da er schon seit so langer Zeit ein Teil meines Lebensweges ist, hat er natürlich einen großen Einfluss. Die tägliche Praxis führt dazu, dass man einfach wesentlich gelassener und ruhiger wird. Man fühlt sich nicht gleich angegriffen oder hilflos. Dazu kommt, dass die Selbstwahrnehmung gesteigert wird. Ich reagiere auf bestimmte Situationen oder Probleme wesentlich autarker – also aus dem Bauch heraus. Auch weiß ich, dass ich die Dinge oft wesentlich stärker lenken und beeinflussen kann, als das früher der Fall war. Und nach meinem Umzug auf’s Land kann ich natürlich auch die Energien der Natur viel intensiver nutzen.
5. Siehst du den Schamanismus als Religion oder eher als Weg den man unabhängig von Ihr gehen kann?
Der Schamanismus wird normalerweise nicht als Religion bezeichnet, da ihm kein Glaubensgebäude zugrunde liegt wie es in den großen Religionen der Fall ist. Die Praxis des Schamanismus gründet auf dem natürlichen Erleben des Menschen, ist also erfahrbar. Die einzige religiöse Eigenart ist, dass dem Schamanismus der Animismus zu Grunde liegt. D. h. die Vorstellung, dass alles von einer Art Kraft oder Energie durchdrungen ist. Von daher kann man durchaus ein Anhänger einer bestimmten Religion sein und sich dennoch mit dem Schamanismus auseinander setzen.
6. Du bist ja auch Sänger und Gründungsmitglied der Band "Thanateros". Lässt du hier sehr viel Erfahrungen aus deiner Schamanischen Arbeit in die Texte mit einfließen?
Durchaus. Thanateros liegt ja ein bestimmtes Konzept zugrunde, dass eng mit Magie und Schamanismus verbunden ist. Die Songs handeln also vorrangig von den Ansichten und Erfahrungen die ich in den Jahren gemacht habe und mache. Da ein weiterer wichtiger Punkt im Konzept von Thanateros das Keltentum ist, sind diese dann oft in ein keltisch-mythologisches Gewandt gepackt.
7. Es gibt ja viele Formen des Schamanismus. Welche denkst du hat dich am meisten geprägt.
Das ist schwer zu sagen, da heutzutage sehr viel vermischt wird. Auch die Schamanen verschiedenster Traditionen arbeiten heute teilweise zusammen. Ich selbst habe mich vor allem mit dem nord- und südamerikanischen Schamanismus und dem der Inuit, bzw. Eskimo auseinander gesetzt. Da ich mich zudem intensiv mit den keltischen Völkern, ihrer Geschichte, ihrem Glauben, ihren Mythen usw. usf. auseinander setze, fließt hier ebenfalls eine Menge in die von mir praktizierte Form des Schamanismus mit ein.
8. Wie wichtig ist dir die Magie? Welchen Einfluss hat sie auf dein Leben.
Die Magie ist ein wichtiger und nicht weg zu denkender Teil des Schamanimus. Der magisch-schamanische Weg ist einer, der das Selbstbewusstsein immens stärkt da man lernt, dass und wie man Dinge verändern kann. Wer sich länger intensiv der Spiritualität widmet, beginnt immer mehr die Energien und Kräfte zu spüren die uns umgeben und alles durchdringen. Und somit wird alles zu „Magie“.
9. Welche Unterschiede gibt es zwischen dem Core-Schamanismus und dem hier oft verbreiteten Keltischen Schamanismus?
Der Begriff Keltischer Schamanismus ist ja nur ein theoretisches Konstrukt. Wir haben keine Überlieferungen, dass es bei den Kelten Schamanen gab. Allerdings ist es so, dass in den keltischen Mythen und Legenden und in den Quellen die wir über den Glauben der Kelten haben, eine Vielzahl an Parallelen zum Schamanismus zu finden sind, so dass ich der Ansicht bin, dass die Religion der Kelten und wohl auch das Druidentum auf einem ureuropäischen Schamanismus basiert. Der Keltische Schamanismus kann sicherlich als eine eigene Art des Core-Schamanismus bezeichnet werden, da er ja wie erwähnt ein modernes Konstrukt ist. Zudem ist der Begriff „Core-Schamanismus“ relativ schwammig, d.h. es lässt sich sehr viel hinein packen. Im Grunde ist der Core-Schamanismus ja eine moderne Form, die sich aus den unterschiedlichsten Techniken und Vorstellung verschiedener schamanischer Traditionen zusammensetzt. Und so bringt jeder Autor oder Lehrer die Element mit ein, die ihm wichtig erscheinen, die er selber kennt. Und dies können natürlich auch Elemente aus der Spiritualität der Kelten sein. Trotzdem sind die beiden Begriffe natürlich nicht gleich zu setzen.
10. Du leitest ja die IMMRAMA Schule für Schamanismus. Wie bist du auf die Idee gekommen sie zu gründen?
Als ich merkte wie enorm hilfreich eine regelmäßige spirituelle Praxis für mich ist, habe ich mir überlegt das Wissen und die Erfahrungen die ich gemacht habe weiterzugeben und auch andere Menschen daran teilhaben zu lassen. So habe ich dann – erst im engsten Freundeskreis – angefangen Seminare zu geben. Nachdem ich dann merkte, dass mir dies viel Freude bereitet und ich auch ein sehr positives Feedback bekam, entschloss ich mich eine eigene Schule zu eröffnen.
11. Was sind deine Unterrichtsziele?
Meine Intention ist es interessierten Menschen die Möglichkeit zu bieten sich schamanisches, magisches und esoterisches Wissen anzueignen, bestehende Fähigkeiten zu vertiefen und sich mit anderen Menschen auszutauschen. Besonderen Wert lege ich dabei auf ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Theorie und Praxis. Ein gründliches theoretisches Hintergrundwissen ist meiner Meinung nach sehr wichtig – gerade angesichts des Unsinns, der immer wieder verbreitet wird. In erster Linie geht es dann aber um die Praxis. Ich gehe da sehr pragmatisch an die Sache. Für mich ist es von Bedeutung, dass die Teilnehmer so früh wie möglich eigene Erfahrungen machen und nicht erst Jahre lang angeblich notwendige Theorie pauken (und Unmengen an Kurs-Gebühren zahlen...).
Ziel ist es dann, dass die Teilnehmer ihren persönlichen Weg in eine regelmäßige Praxis finden und dadurch die Möglichkeit haben Schritt für Schritt immer mehr zu sich zu finden, neues Vertrauen zu fassen und voller Freude und Zuversicht das Leben zu leben.
12. Es gibt ja laut Literatur einen großen heilerischen Aspekt im Schamanismus. Wie siehst du das?
Das stimmt durchaus. Der (traditionelle) Schamane übernimmt in seiner Gesellschaft ja eine Vielzahl von Aufgaben, wie z. B. die Bewahrung der Mythen – und somit der Identifikation der Gesellschaft – oder der Kontakt zu Göttern und Geistern. Daneben übernimmt der Schamane dann auch die Rolle des Medizinmannes und Heilers und ist so für das Wohlergehen der Menschen zuständig. Gerade in der modernen, esoterischen Literatur wird der Schamane aber leider viel zu oft als eine Art für Harmonie und Weltfrieden singender Eso-Softie dargestellt, was mit der Realität recht wenig zu tun hat. Der Schamane steht oft am Rande der Gesellschaft, er hat häufig ein äußerst entbehrungsreiches, hartes Leben und seine Rituale sind oft nicht ungefährlich und würden dem uninformierten, westlichen Standart-Yoga-Kurs Besucher wahrscheinlich einen gehörigen Schrecken einjagen.
Natürlich ist es in Ordnung eine moderne, für uns meist städtisch lebende Menschen praktikable Form des Schamanismus zu entwickeln – auch ich lehre in meinen Seminaren ja eine Form, in der wir uns die anwendbaren und nachvollziehbaren Elemente aus den verschiedenen Kulturen heraus nehmen – aber die Differenzierung zwischen dem modernen, oft Core-Schamanismus genannten Schamanismus und dem wirklichen traditionellen Schamanismus geht leider immer mehr verloren.
13 Der "Heilungsaspekt" im Schamanismus. Welche Möglichkeiten hat der Schamane heute dazu noch? Gehören dazu die "Schwitzhütten Rituale", oder sind diese nur in ein Regional begrenztes Gebiet zu setzen?
Dadurch, dass die Welt immer "kleiner" wird, kennen wir eine enorme Vielzahl von Möglichkeiten die in den unterschiedlichen Traditionen genutzt werden, um heilend wirken zu können. Und da man sich im Modernen Schamanismus ja aus verschiedenen Kulturen und Traditionen bedient, steht einem dieser große Wissensschatz zu Verfügung und man kann auf diverse Methoden zurückgreifen. Wir können dabei genauso sowohl die östliche Energie-Arbeit wie z.B. Reiki oder die Chakra-Arbeit nutzen, wie die von dir erwähnten, aus Nordamerika stammenden Schwitzhütten-Zeremonien. Auch das Wissen um Heilpflanzen kann eingesetzt werden. Und ebenfalls natürlich die typisch schamanische Methode der "Seelenrückholung", in der der Schamane versucht während einer Trance-Reise zu erkennen was die Ursache einer Erkrankung ist, um den betroffenen seelischen Aspekt des Menschen dann wieder in's Gleichgewicht zu bringen. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass man mit der entsprechenden Methode vertraut ist und weiß, was man tut. Daneben gibt es dann auch noch das weite Feld der Magie, welches ich ebenfalls nutzen kann, um den Genesungsprozeß zu unterstützen (Sigillenzauber, Talismane, Puppenzauber, Evokation,...)
14 Und wie kann man so ein Schwitzhüttten Ritual definieren, was passiert hierbei?
Ich selbst habe mich noch nicht eingehend mit der Schwithütten-Zeremonie beschäftigt, aber was ich sagen kann ist, dass es dabei in erster Line um "Reinigung" geht. Die Schwitzhütte wird als Symbol für die Gebärmutter angesehen, d.h. das Verlassen der Schwitzhütte steht für eine Neu-Geburt. Während des Aufenthaltes in der Hütte helfen Hitze und verräucherte Kräuter dabei einen veränderten Bewußtseinszustand zu erlangen. In dieser Trance hat man nun die Möglichkeit sich von negativen Energien, von hinderlichen Mustern und Schatten zu befreien. Oft steht so eine Zeremonie auch unter einem ausgewählten Thema (Vergangenheit, Familie, Umwelt,...) und wird von einer bestimmten Person geleitet.
15. Oft setzt man den keltischen Schamanismus mit dem "Druidentum" gleich. Trennst du das?
Jein. Wie schon erwähnt ist der Begriff „Keltischer Schamanismus“ mit Vorsicht zu genießen. Wir wissen leider sehr wenig über die Kelten, ihre religiösen Vorstellungen und ihren Glauben und noch weniger wissen wir über das Druidentum. Ein keltischer Schamanismus kann nur eine moderne Form sein, die man aus dem Wissen was wir über die keltische Spiritualität haben und den Techniken und Vorstellungen die uns der Schamanismus diverser anderer Kulturen gibt, bildet.
Ich persönlich denke, dass ein keltischer Druide durchaus als Schamane durchgegangen wäre, aber allein schon die nachweisliche Organisiertheit der Druiden, die es so unter Schamanen eines Volkes nie gegeben hat, steht dem natürlich entgegen. Daneben gibt es noch eine Vielzahl weiterer Eigenarten des Druidentums, die wir nicht als „schamanisch“ bezeichnen können.
16. Was sind deine Ziele für die Zukunft?
Da gibt es eine ganze Menge. Eines davon ist natürlich, meine Schule hier in Bayern wieder aufzubauen. Ich hoffe bis Mitte 2007 passende Räumlichkeiten in Regensburg oder Passau gefunden zu haben und dann genügend interessierte Menschen auf die Immrama-Schule aufmerksam machen zu können, um wieder regelmäßige Seminare durchführen zu können. Daneben schreibe ich zur Zeit an dem neuen Thanateros Album, das dann hoffentlich Mitte 2007 veröffentlicht werden kann.
Wir danken für dieses Interview!
Wer sich nähr über die IMMRAMA - Schule für Schamanismus Informieren möchte, sollte einmal bei uns unter Links schauen, im Bereich Schamanismus ist diese Schule verlinkt!



