
Hier ein Interview mit einem Menschen der Gerald Gardner noch persönlich gekannt hat und jedem Wiccaner ein Begriff sein dürfte. Wir danken Ihm recht herzlich für seine Zeit und Arbeit für dieses Interview.

1. Könntest Du dich kurz vorstellen?
Ich bin 74 Jahre alt and seit 2 Jahren im Ruhestand von einer Karriere in der Informatik. 1954, als ich 23 Jahre alt war, hatte ich eine mystische Erfahrung in den Armen meiner ersten Geliebten. Diese offenbarte mir die göttliche Kraft der Liebe, die wir die Göttin nennen. Auf der Suche nach Gleichgesinnten endeckte ich Gerald Gardners Buch "Witchcraft Today" und wurde zu Imbolc 1957 in Gardnerian Wicca initiiert.
2. Was bedeutet Wicca für Dich?
Wicca ist ein initiatorischer Mysterium Kult, der in Covens von 3 bis 13 (aber meinstens 5 bis 8) Mitgliedern ausgeübt wird. Durch gemeinsame Rituale lernt man geistige Kraft zu erzeugen, die entweder für magische Zwecke wie geistige Heilungen, oder für Selbstentwicklung zur extatischen Vereinigung mit Göttin und Gott benützt werden kann.
3. Was ist Deiner Ansicht nach der prägnanteste Unterschied zu anderen Naturreligionen, was macht Wicca aus?
Wicca hebt vor allem das göttliche Weibliche hervor, das wir die Göttin nennen, und steht für die Immanenz des Göttlichen in allen Lebewesen, aber vor allem Menschen. Manche andere Zweigen des Heidentums, namendlich Asatru und die anderen Volksreligionen, sind noch sehr patriarchalisch, weil sie die Werte ihrer vorchristlichen Ahnen weiterführen wollen.
4. Wo liegt für Dich der Unterschied zwischen traditionellen Wicca-Coven und nicht-traditionellen Wicca-Coven?
Die traditionellen Wicca Coven benützen immer die selben Rituale, die aus Gerald Gardners Buch der Schatten stammen. Die nicht-traditionallen, auch Eklektische genannt, schreiben ihre eigenen Rituale für jedes Fest oder jeden magischen Zweck, und manche improvisieren sogar im Kreis. Rituale sind aber nur Mittel zum Zweck der Kraft-Erhöhung und das wichtigste ist deren Wirksamkeit. Was für die einen am wirksamsten ist, ist nicht immer dasselbe für andere.
5. Welche Rolle spielt die Magie in Wicca?
Die Hauptrolle, sowohl für Selbstentwicklung wie um andere zu helfen.
6. In Deinem Buch "50 Jahre Wicca" bemängelst Du das fehlende Umweltbewusstsein der meisten Wiccaner, wie auch der verantwortungslose Umgang mit dem eigenen Körper. In wie weit wirkt sich dies auf die Religion aus? Wie naturnah ist Wicca Deiner Meinung nach?
Nicht so nahe wie die Mitglieder es behaupten. Das liegt vielleicht daran, dass die Rituale vom Mittel zum Zweck von vielen Coven erhoben wurden. Allerdings selbst in Gerald Gardners Coven wurde oft im Kreis geraucht: wenigstens das gibt es jetzt selten.
7. In "50 Jahre Wicca" schlägst du auch vor die Jahreskreisfeste dem natürlichen Lauf der Jahreszeiten anzupassen und ein Fest nicht starr an einem bestimmten Termin zu feiern, sondern dann, wenn die Natur es vorgibt. In verschiedenen Rezenssionen Deines Buches wurde kritisiert, dass dabei die morphische Resonanz außer Acht gelassen wurde. Wie stehst du dazu?
Der Sinn der Jahreszeitfeste ist es, dass wir uns mehr und mehr Teil der Natur und seiner Zyklen empfinden. Dieser Sinn wird nicht erreicht, wenn man das tatsächliche Klima des Ortes vernachläßigt, wo man feiert. Das ist eine persönliche Meinung, die leider nur von wenigen geteilt wird.
8. Wie hat sich Wicca seit seiner Gründung entwickelt/verändert?
Es hat sich weltweit verbreitet, allerdings meistens in den protestantischen Ländern, und ist gleichzeitig oberflächlicher geworden. Viele Wiccas betrachten es wie eine exoterische Religion, legen viel Wert auf rituelle Genauigkeit und vernachlässigen den magischen und Selbstentwicklungszweck.
9. Wohin, denkst Du geht der Trend im naturreligiösen Bereich/Wicca?
Zur Weiterverbreitung. Jetzt fängt es auch an Covens in katholischen Ländern zu geben, und sogar auch in der Türkei.
10. Was hälst Du davon?
Bin froh darüber, denn selbst als einfache exoterische Religion gibt es in Wicca keine Dogmen, und befreit dadurch seine Mitglieder von den erdrücken Dogmen der monotheistischen Religionen, und bildet auch einen Gegenpol zum heutigen Materialismus
11. 50 Jahre Wicca liegen hinter Dir, was wünschst du dieser Religion für die Zukunft?
Dass sich die Mitglieder mehr mit dem Ursinn dieser Religion und seiner Ritualen befassen, anstatt sie undenkend einfach auszuüben
Wir danken dir für dieses sehr Interresante Interview.
Für alle die sich für das "Buch 50 Jahre Wicca" Interresieren hier die Daten hierzu: Es ist erschienen beim Heiden Verlag, die ISBN Nummer ist 3-937674-16-0
Wir können es nur empfehlen !